"Der Match beginnt bereits in der Kabine!"
...und der Zusammenhang zu meinem Arbeitsalltag
Dies war der Satz, der mein Trainer (als ich damals noch Fussball gespielt habe) immer und immerwieder gesagt hat. Und das habe ich auch gestern im Fussballspiel FC Basel - FC Zürich erlebt: Als die Spieler aus der Kabine kamen und ihre Position auf dem Spielfeld einnahmen, tobte das ganze Stadion. Vor Allem die Fans in der Muttenzerkurve liess sich nicht davon abhalten, ihre Fahnen zu schwingen und die ersten Feuerwerkskörper zu entzünden. Doch die Spieler des FC Basel liessen sich in keiner Minute ablenken und starteten voller Elan und top motiviert in die erste Halbzeit. Ihre Konzentration beschränkte sich ausschliesslich auf das Spielfeld - und sie hatten nur noch die Mitspieler, den Ball und das Tor im Fokus. Schlussendlich haben sie den FC Zürich nach einem spannenden und torreichen Spiel mit 3:2 bezwungen. Ein verdienter Sieg nach einer grandiosen Leistung. Bravo!
Noch ein wenig müde, machte ich mich heute auf den Weg zur Arbeit. Und hier stellte ich einmal mehr fest, dass sich genau dieser Satz nicht nur auf Fussball bezieht - Ja, auch meine Arbeit beginnt bereits auf dem Arbeitsweg... Vor Allem, wenn man in Uniform unterwegs ist und sich somit eindeutig als SBB-Mitarbeiter identifiziert. Als ich heute Morgen in der überfüllten S-Bahn stand, welche gerade in Liestal einfuhr, öffneten sich die Türen und ein junges Pärchen wollte einsteigen. Als sie mich in Uniform vor ihnen gesehen haben, haben sie sich erstmal total erschrocken. Sie grüssen mich freundlich, und ich grüsste selbstverständlich freundlich zurück. Die Frau hat sofort ihre Handtasche gezückt und wild darin herumgewühlt. Nach einigen Sekunden zog sie zwei Fahrkarten hervor. Sie schienen nicht von der Gegend zu sein, denn sie kannten sich nicht wirklich aus und waren somit total verunsichert, ob sie auch wirklich das richtige Ticket gelöst hatten. Sie streckten mir die Tickets entgegen und fragten, ob sie richtig sind.
Es ist zwar nicht wirklich mein Job, aber das kann sie ja nicht wissen, denn ich trage schliesslich die offizielle Uniform der SBB und repräsentiere somit ein Teil des Unternehmens. Also warf ich schliesslich einen Blick auf ihr Ticket und erkundigte mich, wohin sie denn gerne gehen würden. Die Strecke entsprach genau den auf dem Billett genannten Zonen - das Ticket war somit okay. Trotz dem freundlichen und ehrlichen Eindruck des Paares kontrollierte ich noch kurz die Zeit bzw. die Gültigkeit, in der das Ticket gelöst wurde. Auch da waren keine Mängel aufzuweisen... Ich lächelte sie freundlich an und teilte ihnen mit, dass sie für ihre Fahrt das richtige Ticket gelöst hatten. Sie waren zufrieden, steckten die Billette wieder ein und suchten sich einen Platz.
Es ist keine Minute vergangen, kämpfte sich die nächste junge Dame durch das Volk und fragte mich verunsichert, wie weit sie mit ihrem Ticket denn genau fahren kann... Lag das daran, dass sie den Dialog verfolgt hat und ein gewisses Mass an Respekt gegenüber Zugbegleiter und Billetkontrollen aufbringt, oder doch eher an der Sympathie meinerseits? ;-) Wie auch immer. Selbstverständlich habe ich auch ihr ausführliche Auskunft über ihr Ticket gegeben, sodass sie beruhigt weiterfahren konnte.
Dementsprechend verwundert war sie auch, als ich nach Antritt der Fahrt keine Kontrolle gemacht habe... Sie fragte nach: "Ah, sie machen gar keine Kontrolle?" Ich antwortete mit einem Lächeln: "Nein, ich bin lediglich auf dem Weg zur Arbeit, ich arbeite im Bahnreisezentrum in Pratteln, am Billetschalter..." Sie lachte, und bedankte sie sich nochmals für die freundliche Auskunft - ausserhalb meiner eigentlichen Arbeitszeit... In Pratteln angekommen verabschiedete mich von ihr und wünschte ihr noch einen schönen Tag. Ich stieg aus und machte mich auf den Weg zur eigentlichen Arbeit...
Es freut mich sehr, dass es noch Leute gibt, die das nicht als Selbstverständlich betrachten. Aber dennoch rechne ich jederzeit damit, dass ich - wenn ich in Uniform unterwegs bin - angesprochen werde. Schliesslich bin ich in Uniform ein Teil des Unternehmens - ein Teil der SBB, egal ob Arbeitszeit, oder nicht...
- 0 Kommentar(e)


Mein Kommentar