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24.11.2009
08:15

Der Kunde ist König und will Geld

(quelle: bahnbilder.ch)

Es war kurz vor 9 Uhr, als ein Mann den Schalterraum in Langnau betrat und zu mir an den Schalter kam. Ohne Begrüssung (auch nicht nach meinem freundlich gemeinten "Grüessech!") sagte er nur, er wolle sich informieren.

"Ich kann Sie über vieles informieren. Billette, Abonnemente, Fahrpläne... Zu welchem Thema brauchen Sie eine Auskunft?"

Er murmelte irgendetwas für mich unverständliches und wartete auf seine Partnerin. Diese kam in diesem Moment gerade um die Ecke gebogen und sah nicht gerade freundlich aus. Sie versuchte, mich mit ihren bösen Blicken einzuschüchtern. Doch so einfach wie sie sich das vorgestellt hatte, wurde es dann - auch trotz ihrer Blicke - nicht.

"Sie, wir haben heute morgen den direkten Zug, der in Bern 6.50 Uhr abfährt genommen. Und am Schluss sind wir in Burgdorf gelandet. Geht's ihrem Unternehmen eigentlich noch?"

Ich musste kurz überlegen und kam zum Schluss, dass 6.50 Uhr doch gar kein Zug ab Bern nach Langnau fahren würde. Um dies sicherzustellen schaute ich kurz im Fahrplan nach und tatsächlich fand ich einen Zug, der 6.50 Uhr von Bern nach Langnau fährt - die S44.

"Ahaaa..." - Sehr viele Leute wissen von der Tatsache (oder sehen es im Online-Fahrplan), dass die Reise via Burgdorf mit der S44 länger dauert als mit der S2 via Konolfingen, dieses Paar wusste es wahrscheinlich nicht. Und wegen dieser Tatsache, dass normalerweise alle die S2 benützen ist es mir auch nicht in den Sinn gekommen, dass das Paar die S44 benützt haben könnte.

Die S44 verkehrt nach dem Flügelkonzept. In diesem Fall fährt ein Zugteil (d.h. eine "NINA"-Komposition) nach Wiler und eine fährt zu uns nach Langnau. Die Züge werden in Burgdorf getrennt und sind bereits bei der Abfahrt in Thun mit Wiler bzw. Langnau angeschrieben. Vor der Ankunft in Burgdorf erklingt in beiden Zugteilen eine Ansage, in der die Reisenden darauf hingewiesen werden, dass z.B. Reisende in Richtung Langnau in den hinteren Zug umsteigen müssen.

Auch ca. 1 Minute vor Abfahrt des Zuges (in der "Begrüssungsansage") werden die Reisenden noch einmal darauf hingewiesen.

Ich surfte die BLS-Website an und zeigte dem etwas verdutzten Paar ein Bild einer "NINA".

"Sind Sie in einem solchen Zug von Bern aus gefahren?"

"Ja, das sind wir. Aber der Zug war nicht so wie auf ihrem Werbebildli angeschrieben!"

"Diese Züge verkehren auch auf anderen Linien, deshalb ist die Anzeige auf diesem Bild falsch. Was war bei Ihrem Zug angeschrieben?"

"Gar nichts! Und es wurde auch nichts angesagt, warum der Zug in Burgdorf bleibe!"

Mein Verdacht wurde immer wie mehr bestätigt.

"Kann es sein, dass Sie in Burgdorf waren, der Zug weitergefahren ist und sie dann plötzlich wieder in Burgdorf waren?"

"Ja, so war es."

"In dem Fall ist es so, dass Sie die S44 nach Burgdorf-Wiler bzw. Langnau genommen haben. Diese Linie wird von zwei Zügen befahren, welche bis Burgdorf zusammengekoppelt sind und danach getrennt weiterfahren. Ein Zug bis nach Wiler, einer bis hierher nach Langnau."

"Das konnten wir ja nicht wissen! Schliesslich wurde nie eine Ansage gemacht und die Anzeige im Zug drin funktionierte auch nicht richtig!!"

Die Dame begann sich langsam aber sicher etwas aufzuregen. In solchen Situationen ist es am wichtigsten, wenn man einfach ruhig bleibt. Und das versuchte ich dann auch zu bleiben.

"Wir mussten an eine wichtige Sitzung und haben dann deshalb in Burgdorf das Taxi genommen. Das hat uns 90 Franken gekostet, wo bekomme ich die jetzt wieder?"

"Also: Es ist nicht unsere Sache, dies zu entscheiden, sondern die unseres "Kundenechos". Das Kundenecho wird Ihnen aber den Betrag nur mit Quittung und mit der Bestätigung der Lokführer bzw. Werkstätte, dass an diesem Zug wirklich die Anzeigen und Ansagen defekt waren, erstatten."

"Hören Sie, wir müssen jetzt auf den Zug. Wir werden uns in Konolfingen noch einmal beschweren gehen!"

Und dann gingen sie aus dem Reisezentrum und ich musste nur schmunzeln, da ich genau wusste, dass die beiden in Konolfingen auf die gleiche Antwort stossen würden.

Um die Mitarbeiter in Konolfingen vorzuwarnen, rief ich der Leitstelle an. Die Leitstelle weiss alles, so sicherlich auch, ob heute morgen einer der beiden Züge irgendwo defekt war. Ich schilderte dem Mitarbeiter die Situation, auch er musste lachen. Und so war er denn auch bemüht, das "erschleichen" dieser 90 Franken zu verhindern. Nach kurzer Zeit konnte er mir dann auch sagen:

"Soweit ich weiss, waren heute morgen beide NINA's einwandfrei in Betrieb. Ich kläre dies aber zur Sicherheit noch einmal ab und rufe die Lokführer an. Ich melde mich wieder."

Ich wusste nicht, ob die beiden Kunden denn auch wirklich nach Konolfingen fahren würden um sich zu beschweren, aber zur Sicherheit informierte ich die Kollegin und wartete ab. In dieser Zeit rief dann auch das Kundenecho zurück und gab mir bekannt, dass nach Abklärung mit den Lokführern feststehe: Beide NINA's hätten einwandfrei funktioniert, da versuche jemand, unrechtmässig an Geld zu kommen. Er würde dem Kundenecho eine Notiz schreiben, eine solche Anfrage sei bei Eingang sofort abzulehnen.

In Konolfingen ist das Paar übrigens nie aufgetaucht.

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  • 1 Kommentar(e)
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Gravatar: BergfeuerBergfeuer
26.11.2009
08:12
Der Kunde ist König und will Geld

Hehe
Super dieser Text echt zum Lachen, na was es nicht alles giet, He-he
Hoffen wir es kommt nicht noch mal vor.
Ich Arbeite selber bei der Bahn ( auch BLS) in der Werkstätte Bern Aebimatt und wenn man nach der Arbeit in den Zug einsteigt und dann verschiedenes hört, muss ich mir oft das Lachen verhalten weil ich immer merke wie Doof die Menschheit eigentlich ist!

Na ja die Menschheit wird sich doch nie Ändern.
Vor allem Ärgere ich mich, das die Werkstätten so hingestellt wer-den, wie sie die Züge nicht richtig warten würden, wenn etwas so passiert, aber kommen sie mal in die Werkstätten und schauen sie was die Arbeiter alles machen müssen, damit so ein Zug wieder fährt und Tiptop ist, da würden viele mal das Maul halten. Na egal die Personen werden sich nie Ändern!

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