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Eine SMS und der Zug fährt ab

In diesem Monat arbeite ich auf dem Zug als Zugbegleiter. In dieser Zeit reise ich kreuz und quer durch die Schweiz: Mal nach Genf, mal nach Basel oder nach Interlaken. Dabei gibt es viel zu lernen: Wie errechne ich das richtige Bremsgewicht des Zuges, wie führe ich eine Bremsprobe durch oder auch "einfachere" Dinge: Wie informiere ich unsere Kunden richtig über Ihre Anschlüsse?

Das eigentliche Thema in diesem Blogartikel ist jedoch etwas speziellerem gewidmet, was es nur an einzelnen Bahnhöfen zu sehen gibt: Den SMS-Abfertigungsbefehl.
Züge mit Zugpersonal werden in den meisten Fällen durch dieses abgefertigt. Das bedeutet: Wir sind verantwortlich dafür zu prüfen ob das Signal Fahrt zeigt, ob die Abfahrtszeit erreicht ist und ob die kundendienstschaftliche Bereitschaft hergestellt ist - sprich: ob alle Leute ein- und ausgestiegen sind.

Es folgt ein Achtungspfiff, mit dem Vierkantschlüssel wird der Abfahrbefehl 'beleuchtet' und wir schliessen - nachdem wir geprüft haben ob nicht noch jemand in den Zug einsteigt - die Türen. Doch an einzelnen Bahnhöfen sucht man die orangen Abfertigungslasten vergeblich, sie wurden abmontiert. Auf einigen Linien ersatzlos gestrichen (z.B. Langnau-Malters, das Zugpersonal fertigt mit einer Schrillpfeife ab) oder aber mit einer neuen Technik, dem so genannten SMS-Abfertigungsbefehl, ausgerüstet.

Wie funktioniert das?

Sobald das Signal Fahrt zeigt, die Abfahrtszeit erreicht wird und die kundendienstliche Bereitschaft sichergestellt ist, sendet der Zugchef ein SMS mit dem Abfahrbefehl an den Lokführer.

Twitterer @michu stellt sich dies so vor: "He Housi! Chasch schüü gä! ;-) LG Peschä"

Doch ganz so «locker» geht das nicht zu und her bei den SBB. Meist kurz vor der Ankunft im Bahnhof erhält der Zugchef auf sein Diensthandy eine Nachricht mit der Zugnummer, der Abfahrtszeit und der Meldung aus welchem Gleis die Ausfahrt einestellt wurde. Zusätzlich steht am Schluss "Abfahrt möglich".
Das Zugteam begibt sich am Halteort auf das Perron und der Prozess der Abfertigung nimmt den gewohnten Lauf. Bis auf die Sache mit dem Abfahrbefehl. Nach dem Achtungspfiff muss der Zugchef nämlich nicht mehr zum Kasten laufen und den Schlüssel drehen sondern zweimal auf die Nachricht tippen und schon wird dem Lokführer auf dem Bedienbildschrim des Führerstands der Befehl "Zug [Zugnummer] abfahren" angezeigt. Der Lokführer muss noch prüfen ob die Türen geschlossen sind und dann kann er abfahren.

Diese ganze Sache hat Vor- und Nachteile:
+ Man muss nicht mehr zum Abfertigungskasten laufen (an einigen Bahnhöfen sind diese Kasten seeeehr rar)
+ Man weiss meist schon vor der Ankunft ob die Ausfahrt möglich ist
+ Man kann den Abfahrbefehl während des Einsteigens abschicken
Aber:
- Hat sich der Zugchef oder der Lokführer mit einer falschen Zugnummer via GSM-R angemeldet, erhält einer der beiden keine Nachricht.
- Zum Abfertigen benötigt man nicht nur noch Pfeife, Vierkantschlüssel und die gelbe Karte oder das weisse Licht (wenn zusätzlich zum Zugchef noch eine andere Person für die Kontrolle dabei ist) sondern auch noch das Diensthandy.
- Funktioniert das System einmal nicht bleibt als Alternative nur die Schrillpfeife.
Mein Gesamteindruck vom Zug ist enorm positiv. Weitere Artikel über meine Einsatztage auf dem Zug folgen.

Wenn Ihr Fragen zur Arbeit auf dem Zug habt, dürft ihr mir diese gerne via Kontaktformular stellen.

Auf Bald!
Christian Hauser

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